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Dort wo sich Kasachstan, Russland, China und die Mongolei begegnen, wo der kleine Bergfluss Jaloman und der wilde Fluss Katun aufeinander treffen, lebt eine alte Frau namens Baba Lena. Sie ist eine Einwohnerin der sibirischen Republik Altai - dem "russischen Tibet".

Als der Ruhestand langsam in Sicht kam, kaufte sich Baba Lena ein Stück Land in der Nähe des Flusses. Sie baute sich ein einfaches Haus und lebte dort mit ihren Söhnen und Enkeln.

Zu Beginn der Jahrtausendwende begann der Tourismus in der Region zu wachsen. Baba Lena kümmerte sich sorgfältig um die Natur, die ihr Zu Hause umgab, machte ihr Heim ansehnlicher und begann, Teile ihres Landes als Campingplatz zu vermieten.

Der Ort blieb allerdings nicht lange ihr eigener. Geschäftsleute der Regierung eigneten sich Abschnitte ihres Besitzes an und stellten ohne ihre Einwilligung Zäune auf.

Dagegen vorzugehen war für Baba Lena keine Option. Sie war zu alt für solche Anstrengungen und so lebte sie ohne dem Treiben große Beachtung zu schenken.

Rückkehr in die Vergangenheit

Die Campingplätze von Baba Lena sind wunderbare Orte. Dort kann man zelten, es gibt Sommerhäuser, unter denen man Schutz vor dem Regen suchen kann, und sogar eine Feuerstelle.

Eine Besonderheit für frierende Reisende sind das Banja, ein russisches Dampfbad, und einige leerstehende kleine Häuser. All dies liegt am Ufer des breiten Gletscherflusses Katun, der nicht nur ein wunderschönes Tal geformt hat, sondern noch dazu kaum von Moskitos umschwirrt wird.

In der Republik Altai hat der Buddhismus neben anderen Glaubensrichtungen und Naturkulten eine lange Tradition. Als Baba Lena älter wurde, kehrte sie zur Religion ihrer Vorfahren zurück.

Kultur und Religion haben in ihrem Heim große Bedeutung: Der Weißen Tara, einer von 21 Bodhisattwa des tibetischen Buddhismus, hat sie einen Schrein errichtet.

Er steht in einer Jurte, oder auch "Ger" genannt, einem tragbaren, aus Tierhäuten und -pelzen bestehenden traditionellen Zelt der Nomaden aus West- und Zentralasien.

Weit entfernt vom Rest der Welt

Es gibt hier keine Funkverbindung, eine weitere positive Eigenschaft dieses Ortes. Man ist völlig abgeschnitten vom Rest der Welt und kann sich vollständig auf sich selbst konzentrieren.

Nur auf der Spitze des naheliegenden Berges kann man mit etwas Glück Kontakt zur Außenwelt herstellen. Baba Lena selbst hat den Berg seit einigen Jahren nicht mehr erklommen.

Mit der Zeit wird das für sie wohl auch immer schwerer und schwerer werden. Sie ist bereits 80 Jahre alt. Aber sie hat immer noch ausreichend Kraft, um ihre Kühe zu hüten.

In einem traditionellen Winterholzhaus der Altai-Nomaden, genannt "Aile", hat sie eine kleine Sammlung aus Steinen, Büchern, Pflanzen und Landkarten der Region ausgestellt.

Altai hat schon viel Geschichte vorbeiziehen sehen

Neben Baba Lenas persönlichem Museum und dem Schrein gibt es noch so einiges zu sehen. Zum Beispiel führt hier ein Teil der Seidenstraße vorbei.

Es ist schwer vorstellbar, dass dieser weltberühmte Weg, der Kontinente überquert und schon von Marco Polo begangen wurde, nur von Hand erbaut wurde.

In Baba Lenas Heimat sammeln sich Stätten alter Kulturen: Abgesehen von der Seidenstraße steht in der Nähe noch eine turkmenische Hügelfeste aus mittelalterlicher Zeit.

Ein steiler, von dichtem Gebüsch umwucherter Bergpfad mit aus Fels gehauenen Stufen führt zu dem altertümlichen Gebäude.

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Altai: So schön hat es Baba Lena in der Region

Baba Lena wohnt in der Region Altai und lebt dort mitten in der Natur. Bei ihr gibt es keine Funkverbindung - aber die braucht sie auch nicht.

Moderne Straßen zwischen altertümlichen Stätten

Altai ist auch für seinen hochwertigen Highway bekannt: Die R256, auch Tschuiski Trakt genannt, ist die wichtigste Fernstraße, die durch Altai führt.

Mit einer Strecke von etwa 985 Kilometern und einer sehr ebenen Fläche ist sie vor allem bei Oldschool-Bikern aus Europa beliebt.

Unter der modernen Asphaltstraße von heute liegt ein einfacher Pfad, der einst Händlern, Kriegern und Heeren als Wegstrecke gedient hat. Damals hieß der Weg noch "Mungalsky Trakt".

Die Überreste dieses antiken Weges sind noch immer sichtbar, dort wo der Fluss Katun auf den Jalomanstrom trifft - direkt bei der alten türkischen Hügelfeste.

In Baba Lenas Heimat treffen vergangene Zeitalter und Geschichten aufeinander, verbunden mit einer atemberaubenden Kulisse. Dieser magische Ort ist für einen Besucher Altais unumgänglich. Und grüßt Baba Lena von mir. Sie wird sich freuen.

Er schreibt als Kolumnist für das "Forbes Kazakhstan Magazine", ist Bergführer und leidenschaftlicher Fotograf. Immer mit im Gepäck hat Andrey seine gute Laune.

Comments

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